Muckels Tagebuch

aus dem Leben geschrieben

 
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Verfasst von Muckel.

das leben mit Einschränkungen und deren Folgen

Man Versucht “aktiv” zu bleiben, unter Menschen zu sein und an “Sachen” teilzunehmen, so gut es geht und man bekommt dann trotzdem keine klaren Antworten oder gar Hilfen.

In der Post war Gestern eine Einladung zu einem “Kennenlernseminar” von einem sozialen Verband. Leider stand in dem Brief nichts zu einem Programm, weshalb ich meine Frage gestellt habe:

= = => BEGINN FRAGE <= = =

Sehr geehrte Damen und Herren,

in meiner Post hatte ich heute eine Einladung von Ihnen, zu einem Kennenlernseminar in Berlin (…). Leider geht aus Ihren Informationen nicht hervor, was dort an Programm angedacht ist. Es ist lediglich geschrieben: “(…) Deutschlands Metropole Nummer 1 unsicher zu machen.”

Mich würde nun interessieren, was ich unter “Berlin unsicher machen” zu verstehen habe. Ist damit gemeint, dass man sich einiges Anschaut, besichtigt und z.B. zu Fuß eine Führung durch Berlin macht?

Leider habe ich eine Autoimmunerkrankung die mich ziemlich einschränkt, wodruch ich u.a. einen Grad der Behinderung (GdB) von 60% habe. Mir ist es zum Beispiel nicht Möglich eine Führung durch die Stadt mit zu machen, bei der man läuft und steht. Ebenso schaut es mit Besuchen von Museen oder ähnlichem aus.

Einen Rollstuhl habe ich noch nicht. (…) Um mich entscheiden zu können, wäre es sehr gut, wenn Sie mir Informationen zukommen lassen könnten. (…)

Mit freundlichen Grüßen
Tobias Müller

= = => ENDE FRAGE <= = =

= = => BEGINN ANTWORT <= = =

Hallo Tobias,

vielen Dank für Deine Nachricht. Bezüglich der Freizeitgestaltung an dem Wochenende in Berlin haben wir noch kein festes Programm, da die Teilnehmer selbst wählen können, was sie machen möchten. Dabei ist ein Stadtrundgang nicht auszuschließen. Zu Deiner Beruhigung möchte ich aber anmerken, dass es hier im Haus Rollstühle zum Ausleihen gibt und sich mit Sicherheit jemand finden wird, der Dir bei der Mobilität behilflich ist. Zumindest war es die vergangenen Seminare auch so.

Wenn Du Dich nun anmelden möchtest, tue dies möglichst zeitnah, da wir nur noch eine begrenzte Anzahl an Plätzen zur Verfügung haben.

Viele Grüße aus Berlin
[Vorname und Nachname entfernt]

= = => ENDE ANTWORT <= = =

(Ausgelassen habe ich nur Nebensätze, die eher der Höflichkeit dienten.)

Was darf ich davon nun halten? Ohne zu wissen, was dort gemacht wird bzw. ob ich das auch vilt. mitmachen könnte, kann ich doch nicht auf “gut Glück” nach Berlin reisen. Vom Geld einmal abgesehen, aber im schlechtesten Fall wäre es so, dass ich dann alleine im Hotel- / Hostel- / Jugendherbergszimmer bleibe…

Alle Welt redet auf einen ein, das man “aktiv” sein soll und etwas “Unternehmen” soll – doch wie, wenn immer so ein sch* geschieht?

Motivierend ist das alles nicht!

Und wenn meine Tante nacher erscheint, darf ich mir sicherlich wieder anhöhren, dass ich doch etwas machen sollte und nicht nur zu Hause sein sollte, das ich mal “raus” sollte usw. usw. usw.

Was aber bitte soll, kann man/ich noch machen?

Hasse in solchen Momenten meine Krankheit, meine Einschränkungen und das dadurch resultierende “Leben”.

Daten: Verfasst von Muckel, am 28. Januar 2011, um 11:28 Uhr.
Abgelegt unter: Gedanken, Gesundheit, Rheuma
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Kommentare: Es wurden 6 Kommentare geschrieben.

Kommentare und Reaktionen

Kommentare

Es gibt 6 Kommentare zu diesem Artikel.

  1. horridoh muckel.

    ich bin über deine krankheit nur teilweise informiwert aber ich verstehe deine ängste darüber ds du wenn du einmal in erlin bist dann doch alleine bleiben würdest, aus erfahrung (ich bin zwar net mobilitätseingeschränkt kenne das aber von ner freundin von mir) kann ich sagen das es in berlin vieles giebt was man sehen kann und auch mit rollstuhl o.ä. erleben kann. ich denke das sich auf jedenfall werfinden wird der mit dir zusammen dort was unternimmt.

    ich drücke dir die daumen das es klappt….

    ayen der panter

  2. Muckel sagt:

    horridoh panter,

    das Problem ist nicht nur der Rollstuhl, den könnte man sich ja ausleihen. es ist ein seminar um sich und die “jugendarbeit” eines sozialverbandes kennen zu lernen. daher kommen dorthin menschen, die dem verband beigetrehten sind, sich aber noch nicht kennen und es wird wohl mehr oder weniger spontan entschieden, was gemacht wird.

    da man sich dort noch nicht kennt, bezweifle ich, dass sich jemand findet, die oder der schiebt – vorallem da man mir ja die einschränkungen nicht unbedingt ansieht. aber selbst wenn das klappen würde – was ist, wenn die abends nur in eine disco oder ähnlichem wollen? die laute musik, vorallem die bass-vibrationen sind für meinen körper auch gift.

    so zieht es sich leider über sehr viele bereiche und da ist es ein verdammt großes wagnis. in vielen pfadfinder-, wandervögelkreisen hätte ich wohl das vertrauen bzw. man könnte vorher kontakte schließen…

    es ist halt schwer, wenn man versucht etwas mit zu machen und man nur solch sch* antworten etc erhält. die volkshochschule hier wäre das nächste beispiel…

    vielleicht sollte ich mich einfach nicht mehr um sowas kümmern.

    danke für deine antwort – andere sichtweisen helfen öfter situationen besser beurteilen zu können.

    herzlichst gut pfad
    muckel

  3. navi sagt:

    Moin muckel,

    ich finde ehrlich gesagt, dass die Antwort sehr nett und aufmunternd geschrieben ist. Dass noch kein Programm steht, kann man denen doch nicht wirklich vorhalten, wenn sie das gerne offen halten möchten und gucken wollen, wer da so alles kommt. Und dass man vor Ort Rollstühle ausleihen kann, ist doch eine super Sache – und jmd, der schiebt, wird bestimmt gefunden.

    Und selbst wenn am Abend eine Gruppe die Clubs der Stadt unsicher machen will, bleibt meistens auch ein Teil zu Hause, weil nicht jeder auf laute Disconächte steht…

    Ich find die Antwort wirklich nicht doof, sondern eher nett und einladend. Gibt’s vielleicht auch ein Vortreffen? Ansosnten ist das doch ne tolle Sache…

    Gut Pfad,
    navi

  4. Muckel sagt:

    Guten Abend,

    die Mail war ja soweit auch freundlich, das habe ich nicht anders gesehen. Es ist nur so, dass dieses Seminar eben von einem Sozialverband ist. In jenem sind ja die meisten Menschen irgendwo gehandicapt. Daher ist es eher eine Grundsatz Frage, weshalb man für ein erstes Treffen etwas macht, bei dem man nicht weiß, was geschehen wird.

    Es geht mir auch garnicht um diesen eine Sache – ist bei mir nur so, dass ich aus mangel von akzeptanz und/oder Hilfsbereitschaft dazu verdonnert bin, zu Haus zu bleiben. Mit Ausnahme wenn ich mal mit Eltern oder Schwester etwas mache.

    Trotzdem meinen >alle<, das man "aktiv" sein soll, seine Kontakte, Vereine etc. pflegen soll usw. doch wie das, wenn man nicht mal die Möglichkeit dazu bekommt?

    Ist halt eine schwierige Situation.

    Gruß Tobias

  5. eto sagt:

    Hey Muckel,

    ich verstehe Deinen Unmut über diese Antwort des Veranstalters, kann aber auch dessen Haltung verstehen.

    Auf der einen Seite ist es schon seltsam, wenn man so ein Wochenende ausschreibt und nichtmal ein grobes Rahmenprogramm im Kopf/auf der Festplatte hat. Ich könnte mir aber vorstellen, dass der Veranstalter gerade dieses Kennenlernwochenende möglichst agendafrei anbieten will, um den gruppendynamischen Prozess nicht zu stören – denn es geht ja offenbar nicht um die Vermittelung von Wissen oder Kompetenzen, sondern gerade um das social meeting.

    Dass viele Mitglieder des Verbandes das eine oder andere Handycap mitbringen, ist dem Veranstalter durchaus bewusst – sonst würde er kaum Rollstühle bereit halten.

    Ich würde Dir ausdrücklich Mut machen wollen, Dich auf dieses Experiment einzulassen. Fahr da hin und schau mal, was passiert. Gehe mal einfach davon aus, dass die Verantwortlichen ein Auge auf den Prozess und den Programmablauf haben werden. Traue denen mal zu, dass sie professionell genug sind, um das Wochenende auch für Dich nicht zu einer Pleite werden zu lassen.
    In Berlin geht durchaus ‘ne Menge auch im Rolli und längst nicht jeder in Deiner Altersgruppe braucht ganz dringend Discolärm, Gedränge und dicke Luft…

    Liebe Grüße und Gut Pfad,
    eto.

  6. Muckel sagt:

    Lieber eto,

    danke für Deine Antwort. Das dies im Grunde eine gute Idee ist, abzuwarten was die Gruppe für Ideen hat, Ideen entwickelt ist mir bewusst. Doch ich finde es für ein “Erstes Kennenlernen” von so einem Verband aus falsch.

    Rollstühle gibt es in diesem Hotel halt, damit hat der Verband nicht direkt was zu tun. Würde es zwar gerne probieren, doch ohne eine Zusage, dass dort tatsächlich jemand ist, die/der mich mit einem Rollstuhl schiebt, kann ich es nicht eingehen. Neben diesen Punkt gibt es ja noch viele viele andere Einschränkungen, die ich leider nicht beeinflussen kann. Wie zum Beispiel Morgens schon “start klar” zu sein.

    Es ist für mich halt nicht wirklich möglich, so etwas auf “gut Glück” einzugehen und dann doch nicht die Hilfe, Unterstützung vor zu finden und dann evtl. einen Schub zu bekommen. Zudem Arbeitet meine Familie (Mutter, Schwester) oder ist wie mein Vater selbst krank, so dass die mich auch nicht mal eben dort abholen könnten, wenn es schief geht.

    Und da ich in meinem Leben nie Glück hatte, wenn es heißt dann man auf Hilfe von anderen angewiesen ist bzw. was eben solch neue Kontakte angeht, ist all das leider nicht möglich für mich.

    Finde ja selbst, dass eine solch “offene Entscheidung” für die Gruppe und Teilnehmer gut ist, doch wenn es für eine solche Zielgruppe bei dem ersten Kennenlernen ist, finde ich es falsch.

    Aber ähnliches habe ich hier jetzt auch wieder mit der Volkshochschule und hatte es in Hannover bei versuchen evtl. in Vereinen aktiv zu werden leider auch…

    Gruß Tobias/Muckel

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