Langsam aber stetig werden die Wälder in ruhige, kräftig leuchtende Farben getaucht. Draußen ist es feucht und frisch geworden, wodurch das Atmen zu einem Genuss wird. Nachbarn befeuern nun wieder die Kamine. Der Rauch erreicht mich und löst dabei ein wohliges Gefühl aus. Früher saß ich fast jedes Wochenende am Lagerfeuer oder am offenen Kamin. Aber das liegt nun Jahre zurück. Nun habe ich noch Kerzen und Fahrtenlieder aus der Box…
Mir fehlen die Abende am Feuer, das Klampfenspiel, die Gemeinschaft. Manche Menschen sehen sich nach ihren Eltern, Kindern oder dem Lebenspartner; mir sind jene auch wichtig, aber ebenso sehn ich mich nach den Fahrten, Abends erschöpft aber glücklich und zufrieden am Feuer sitzen.
Diese Sehnsucht werde ich wohl nicht mehr stillen können, weshalb die Gedanken und Erinnerungen überflüssig sind. Leider kann ich sie nicht abstellen. Und nun wo die Abende kälter und länger werden, Paare, Familien, Freunde enger zusammen rücken, von ihren Erlebnissen und Reisen berichten, ist die Sehnsucht, das schmerzliche Vermissen wieder da.
Im Alltag muss ich mir Hilfe suchen, kann vieles nicht mehr machen, was für andere automatisch, ohne einen Gedanken abläuft. Vielleicht sind Gedanken, Sehnsüchte, Träume an dieser Stelle mehr verletzend und traurig als erfreulich?
Sie lassen sich nicht steuern, einsperren oder abschalten. Kann man an seinen Träumen arbeiten, werden sie zu einem Ziel, für das es sich lohnt zu kämpfen. Tritt aber das Gegenteil ein, man kämpft und entfernt sich trotzdem immer weiter, verliert man sehr schnell die Hoffnung, den Sinn. Doch was soll oder kann man in einer solchen Situation machen? Dies wird einem nirgends gesagt oder auch nur thematisiert. Man ist damit ziemlich allein und irgendwie auch verlassen.














Hey Muckel,
Du schreibst
“Diese Sehnsucht werde ich wohl nicht mehr stillen können, weshalb die Gedanken und Erinnerungen überflüssig sind.”
Nein. Diese Erinnerungen sind ein Teil Deines Lebens. Die Erlebnisse, die Gefühle und Eindrücke, die Du erinnerst, haben mit dazu beigetragen, dass Du der werden konntest, der Du heute bist. Sie gehören zu Dir – und nichts, was zu Dir gehört, ist überflüssig. Ohne sie wärst Du unvollständig.
Trauere nicht um das, was Du nicht mehr hast, sondern sei dankbar dafür, dass Du es eine Zeit lang haben durftest. Du weißt, dass ich seit drei Jahren auch nicht mehr auf Fahrt gehen kann – und Du wirst mitbekommen haben, dass meine Frau in den letzten Wochen verstorben ist. Glaub mir, ich schreibe Dir nicht aus dem Lehrbuch, sondern aus dem Leben, aus meiner Erfahrung.
Vielleicht hilft es Dir, Deine Erinnerungen zu visualisieren. Stell dir zum Beispiel vor, Du packst sie in ein Kästchen – ein Kästchen vielleicht mit reichen Verzierungen. Dieses Kästchen legst Du in eine Schublade Deines Schreibtisches. Die Schublade machst Du zu.
In Deinen Gedanken hast Du jetzt einen Platz, an dem Du Deine Erinnerungen gut aufgehoben weißt. Und Du weißt, dass Du die Schublade jederzeit öffnen, das Kästchen herausnehmen und Deine Erinnerungen anschauen kannst. Aber Du schleppst diese Erinnerungen nicht mehr als Last mit Dir herum, die Dich gelegentlich zu erdrücken droht. Sie kontrollieren Dich nicht mehr…
Lass Dich mal darauf ein, das auszuprobieren. Phantasie hast Du genug dafür.
Liebe Grüße,
eto.
Lieber eto,
vielen Dank für Dein ausführliches Kommentar. Vielleicht habe ich mich nicht klar genug ausgedrückt. Mit den “Überflüssigen Erinnerungen” meinte ich eher die Momente, an denen ich zum Beispiel durch den frischen Rauch eines offenen Feuers wieder daran erinnert werde und es dann eher wehmütig ist.
Bemühe mich immer, die ganze Situation positiv zu sehen und es zu akzeptieren. Meistens gelingt es mir auch. Meiner Meinung nach hat man in der Regel nur zwei Möglichkeiten: entweder gleich aufgeben oder versuchen das Beste draus zu machen. Letzteres ist mein Weg, auch wenn es nicht immer einfach ist.
Vorallem wenn man häufig durch die Umstände und dem kleinen Ort mit nicht mal 300 Einwohnern alleine ist, sich dann ab und an sogar in der Familie Rechtfertigen muss, habe zumindest ich keine 100%tige Kraft, sondern vielleicht nur 95%.
In den Patientenschulungen und Gesprächen die ich u.a. auch während meiner Rehamaßnahmen hatte, wurde immer gesagt, dass diese, auf den ersten Blick eher schwachen Momente, aber auch dazugehöhren. Würde man keine Gefühle zeigen, immer nur Stark sein und versuchen all die Sachen auszublenden, wäre das genauso schlecht, wie wenn man z.B. in einer Depression wäre.
Wenn bei mir mal so ein Moment da ist, blogge ich zum Beispiel darüber und habe somit einen Weg für mich gefunden, dass es danach auch wieder gut ist. Normalerweise schaue ich auf die vielen Momente aber gerne zurück. Die Erlebnisse haben einen ja schon sehr geprägt.
Vielen Dank und Dir alles Gute!
Muckel