Muckels Tagebuch

aus dem Leben geschrieben

 
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Verfasst von Muckel.

meine Einschränkungen ~ Versuch der sachlichen Beschreibung

ein Vorwort?

immer wieder gibt es für mich Situationen, in denen ich Sachlich belegen muss, wie sich die rheumatische Erkrankung und dessen Begleiterscheinungen bei mir auswirken. In den letzten Wochen habe ich das zum Beispiel für die erneute Feststellung des Grades der Schwerbehinderung (Verschlimmerungsantrag für den Schwerbehindertenausweis) benötigt und in den kommenden Monaten werde ich wohl verschiedenen Ämtern zeigen müssen, dass ich wenn überhaupt nur sehr eingeschränkt arbeiten kann. Doch neben diesem Bürokratischen Akten ist es auch sinnvoll, wenn ich zu neuen Ärzten gehen sollte – denn im Gespräch vergisst man oft die Kleinigkeiten und bespricht nur die »Oberpunkte«. Doch gerade die Summe der Kleinigkeiten führen dazu, dass ich doch erheblich eingeschränkt bin.

Mit den folgenden Zeilen möchte ich nicht jammern oder ähnliches – sie sind lediglich der Versuch alle Einschränkungen sachlich fest zuhalten. Denn ganz am Anfang gab es kaum Einschränkungen, doch das hat sich bis heute leider verändert. Daher möchte ich hier nochmal sagen, dass diese Zeilen die aktuelle (Januar 2010) Situation beschreiben. Bei jedem Menschen der an Rheuma erkrankt ist, verläuft die Krankheit anders und daher sind bei jedem auch die Einschränkungen anders. Bei manchen verläuft es nicht so schlimm, bei anderen dafür noch viel schlimmer. Es gibt dabei kein »richtig« oder »faltsch«, das sollte man bei den folgenden Zeilen im Hinterkopf behalten.

Übersicht über den Verlauf der Erkrankung

Begonnen hat alles im Sommer 2003. In den Sommerferien war ich mit meiner Pfadfindergruppe auf dem Weg nach Italien. Nach einer sehr langen Bahn-Anreise schmerzte mein linkes Bein von der Hüfte abwärts. Da wir sehr lange in den Zügen gesessen hatten, dachte ich, dass die Schmerzen daher kamen und so zogen wir erstmal weiter. Leider wurde es in den darauf folgenden Tagen nicht besser, weshalb wir zu unserer Ausgangsstadt zurück gekehrt sind. Dort habe ich das Krankenhaus der Region auf gesucht, doch die Ärzte konnten keine Diagnose stellen. Mir wurde ein Schmerzmittel verschrieben und nach ein paar Tagen war dann auch alles wieder in Ordnung.

Zurück in Deutschland schmerzte dann mein rechtes Knie, weshalb ich meinen Hausarzt aufgesucht habe. Jener hatte die Vermutung, dass es eventuell an der Skoliose der Lenden- und Brustwirbelsäule liegen könnte und hat mich daher zum Orthopäden überwiesen. Jener verordnete Krankengymnastik, da er auch die Vermutung mit der Skoliose hatte. Doch die Physiotherapie brachte keine Linderung, weshalb ich wieder zu meinem Hausarzt geschickt wurde.

In der Zwischenzeit hatte ich auch den ersten Schmerzschub, der sich auf den gesamten Körper gelegt hatte und mich eine Woche außer Gefecht setzte. Mein Hausarzt hatte den Gedanken, dass es eventuell Rheuma oder auch eine Borreliose sein könnte, da in der Zwischenzeit auch die Handgelenke schmerzten. Um dieses abzuklären, veranlasste er ein Blutbild, welches zeigte, dass die „Rheuma Werte“ erhöht waren. Daraufhin hat er mich zu einer Rheumatologin überwiesen. Seit dem Herbst 2003 bin ich in dauerhafter rheumatologischer Behandlung.

Bei meinem Weg durch verschiedenen Rheumatologenpraxen, Kliniken und Rehaaufenthalten habe ich alle gängigen Therapieformen kennen gelernt, die leider keinen Erfolg hatten. Nachfolgend eine kleine Übersicht der Medikamente, die ich bis jetzt (Januar 2010) bekommen habe:

  • Cortison (Decortin) — hilft leicht gegen die Morgensteifigkeit, starke Gewichtszunahme
  • Methrodrexat (MTX) — ohne positive Wirkung
  • Arava — ohne positive Wirkung
  • Quensil — ohne positive Wirkung
  • Enbrel — gespritzt (ohne positive Wirkung)
  • Methrodrexat (MTX) gespritzt — ohne positive Wirkung
  • Pyroxicam — hat nicht angeschlagen
  • Novaminsulfon — gegen die Schmerzen
  • Novalgin — schlug nur kurz an
  • Tilidin — kombiniert mit dem Ibuprofen, da es alleine nicht gewirkt hat.
  • Ibuprofen 600mg — gegen die Schmerzen
  • Pantropazol — zum Magenschutz
  • Orencia — ein Biological (ohne positive Wirkung)
  • Mirtazapin — gegen die Schmerzen
  • Oxycodon — ein Schmerzmittel
  • Rituximab — ein Biological (ohne positive Wirkung)
  • Lodotra — ein Cortison mit veränderter Wirkstofffreisetzung
  • Alendronat — gegen die Osteoporose, die wohl durch das Cortison entsteht
  • RoACTEMRA (Tocilizumab) — ein Biological (ob es wirkt muss sich noch zeigen)

Ab dem MTX wurden alle zusätzlichen Mittel mit MTX kombiniert. Nebenbei habe ich auch immer Cortison (Decortin) eingenommen, welches die Morgensteifigkeit der Gelenke ein wenig linderte.

Da die Medikament bei mir leider keine positive Wirkung gezeigt haben, bin ich seit einigen Monaten in der Behandlung bei einer Schmerztherapeutin, um den Dauerschmerz zu bekämpfen. In Übereinkunft mit meiner Schmerztherapeutin wird versucht, das Schmerzmittel so gering wie möglich zu halten, damit die negativen Folgen niedrig bleiben und man für die Zukunft noch Möglichkeiten hat.

Da ich zurzeit aber eine Ausbildung zum IT-Systemelektroniker mache und ich auch die letzten sechs Monate noch schaffen möchte, mussten wir die Medikation so weit erhöhen, dass ich zumindest morgens auf der Arbeit erscheinen kann. Somit nehme ich aktuell eine Tagesdosis von 2 x 40mg Oxycodon. Abends soll die Schmerzwirksamkeit durch das Antidepressiva Mirtazapin (15mg) verstärkt werden.

Die Einschränkungen

Es ist schwierig einfach so zu beschreiben, wo man überall eingeschränkt ist, da man sehr leicht die kleinen Dinge im Leben vergisst, die zusammen aber wieder einen Großteil ausmachen. Aus diesem Grund habe ich die folgende Beschreibung in verschiedene Bereiche aufgeteilt und hoffe, dass ich so an alles denke.

Beschreibung einer typischen Woche

Seit August 2007 bin ich im „Berufsbildungswerk Annastift“ des „Annastift Leben und Lernen gGmbH, Bereich Berufsbildungswerk“ in Hannover. Am Anfang war die Ausbildung unproblematisch und ich konnte da sogar noch ein Praktikum machen. Doch dies hat sich leider zum schlechten geändert.

Mein erster Wecker klingelt morgens um 5Uhr, damit ich pünktlich um 7:35 Uhr im Keller im „Betrieb“ erscheinen kann. In den letzten Monaten erledige ich eigentlich nur noch Aufgaben, die nichts mit Handwerklichen, dem „Schrauben“, zu tun haben. Obwohl ich somit die meiste Zeit am Computer sitze, ist die Belastungsgrenze meines Körpers mehr als ausgeschöpft. Zwar haben wir großzüge Pausenzeiten:

  • Frühstückspause 15 Minuten
  • Mittagspause 45 Minuten
  • Arbeitsunterbrechung 10 Minuten

doch trotzdem bleibt am Ende von einem Arbeitstag nur noch Kraft zum duschen. Nach dem duschen Esse ich in der Regel noch ein Brot und lege mich danach ins Bett, bis der Wecker am nächsten morgen klingelt. Wenn ich einen guten Tag erwische, dann kann ich noch E-Mails abrufen, doch diese Tage gibt es kaum noch. Somit bestehen meine Tage nur noch aus Arbeiten und schlafen.

Einer Freizeitbeschäftigung, einem Hobby oder gar einer Ehrenamtlichen Tätigkeit kann ich nicht mehr nach gehen. Selbst an den Wochenenden muss ich mit meinen Kräften haushalten. Die Kraft an den Wochenenden nutze ich um Lebensmittel ein zu kaufen, meine Wäsche zu waschen und dann muss ich mir auch schon wieder Ruhe gönnen, damit ich Montags die Kraft finde, um wieder zur Ausbildung zu gehen.

das aufstehen am Morgen

In regelmäßigen Abständen gibt es hier in dem Berufsbildungswerk sogenannte „Pflichtheimfahrten“, in denen das Internat geschlossen ist und man nach Hause fahren muss, um so den Kontakt zu seiner Familie, Freunden usw. nicht zu verlieren. Über Weihnachten oder im Sommer sind diese Heimfahrten etwas länger, ähnlich der Schulferien. Die letzte Pflichtheimfahrt (über Weihnachten / Silvester 2009 auf 2010) hat mir gezeigt, dass es meinem Körper gut tut, wenn ich mich komplett nach ihm richte und so zum Beispiel erst aufstehe, wenn er soweit ist.

Meine Schmerzmittel muss ich nach der Uhr nehmen und somit klingelt ein Wecker auch an meinen freien Tagen um 8:45 Uhr. Während der letzten Heimfahrt war dies auch so, so dass ich da wach geworden bin. Bis mein Körper dann aber so weit war, dass ich mit geringeren Schmerzen und Gelenkssteifigkeit aufstehen konnte, vergingen im Durchschnitt nochmal drei weitere Stunden. Doch nach dieser Zeit hat man es gerade mal von der liegenden in die sitzende Position geschafft. An schlechten Tagen braucht mein Körper weit aus mehr Zeit oder schafft es gar nicht in die Gänge zu kommen.

Bis ich es dann geschafft habe zu Frühstücken, die Körperhygiene zu erledigen ist es meistens schon später Mittag oder Nachmittag. Diese Zeit habe ich während der Ausbildung nicht und muss mich dann zwingen, einfach aufzustehen und „los zu legen“. Dies hat aber den Nachteil, dass meine Schmerzen dann weit aus höher sind und das auch die Steifigkeit der Gelenke weitaus extremer sind.

Während des “aufstehen” versuche ich meine Gelenke im warmen Bett schon einmal zu bewegen und sie so langsam zu mobilisieren. Ohne diese “Tätigkeit” würde das ganze wahrscheinlich noch viel schlimmer sein.

eingeschränkte und schmerzhafte Körperteile

Um beschreiben zu können, wo ich Probleme habe, fange ich am besten oben am Kopf an und höre unten bei den Füßen auf, da dies die einzige Sinnvolle Variante ist, bei der ich hoffentlich nichts vergessen werde.

Kopf und Nacken In unregelmäßigen Abständen habe ich zusätzlich zu dem Dauerschmerz noch Schmerzschübe. Wie jene ausgelöst werden, kann ich nicht sagen, da ich kein „Muster“ entdeckt habe. Jene kommen in stressigen Zeiten vor, aber auch dann, wenn ich Ruhe habe. Äußern tut sich das zurzeit mit extremen Schmerzen im Bereich der Nackenwirbel und hinzu kommen Kopfschmerzen. Wahrscheinlich durch die Schmerzen ist mir dann meistens noch Übel.
Schultern Wie bei fast allen Gelenken ist die Mobilität meiner Schultern eingeschränkt. In einem Schub sind sehr, wie alle anderen Bereiche, sehr schmerzhaft und steif.
Muskulatur an den Armen Die Muskulatur an meinen Armen ist sehr hart und schmerzhaft. Um so weiter man in Richtung der Hände kommt, desto stärker wird es. Bei Belastung wird der Dauerschmerz weit aus stärker und die Muskulatur fängt an zu zittern / krampfen.
Hand- und Fingergelenke An den Hand- und Fingergelenken habe ich die meisten Probleme. Fast von Anfang an ist dieser Bereich am meisten betroffen. Die Gelenke sind alle geschwollen und der Dauerschmerz in ihnen ist am stärksten. Zudem versteifen die Gelenke immer mehr und die Kraft ist nur noch über die Muskulatur bei und selbst dieser verbleibende Rest baut sich immer mehr ab. Am Anfang konnte ich zum Beispiel noch Gitarre spielen, was nun gar nicht mehr geht – denn wenn „druck“ auf die Fingergelenke kommt, knicken diese einfach weg. Der Handrücken ist wie die Gelenke auch geschwollen. Die restliche Beweglichkeit in den Hand- und Fingergelenken ist nur noch da, da ich regelmäßig Physiotherapie (mindestens 2 x Woche) mache und meine Physiotherapeutin die Gelenke durchbewegt.
Hüften Die Hüften kann ich selbst zwar noch am besten mit bewegen, doch sie sind auch sehr schmerzhaft, was sich unter anderem bei dem Fahrradfahren gezeigt hat und leider so stark wurde, dass ich jenes nicht mehr machen kann. Zu dem hat die eine Hüfte wohl eine leichte Fehlstellung, jene ist aber nicht auf das Rheuma zurück zu führen.
Knie Neben den Handgelenken sind die Knie am meisten betroffen. Das äußert sich durch Schmerzen, Steifigkeit und einem Kraft Verlust.
Muskulatur in den Beinen Dies Muskulatur in den Beinen ist ähnlich der in den Armen überlastet und fängt daher sehr schnell an zu schmerzen und teilweise auch zu krampfen, wenn die Belastung mehr wird.
Knöchel und Füße Die Knöchel sind ähnlich der anderen Gelenke auch betroffen. Sie Schmerzen und die Gelenke sind steif. Zwar ist es hier nicht so schlimm wie in den Hand- und Fingergelenken, aber es wird auch hier immer stärker. Die Zehen bekommen teilweise auch immer mehr eine falsche Haltung, die wohl „Krähenzehen“ genannt wird.
weitere Probleme Im gesamten Körper habe ich Schmerzen, einen Dauerschmerz. Jener ist Abhängig davon, wie viel Ruhe ich meinem Körper gönnen kann oder eben nicht.

Die Belastbarkeit meines Körpers ist deutlich verringert. Das zeigt sich in der mir noch verbliebenen Kraft, in der Konzentration, wie lange ich wach bleiben kann usw.

Meine Konzentration und Aufmerksamkeitsfähigkeit ist deutlich schlechter geworden. Unter anderem zeigt sich das in der Berufsschule. Während des Unterrichtes sollten wir Prüfungsdokumentationen lesen und danach sagen, was wir an jenen gut oder schlecht faden. Während die ersten schon ihre „Ergebnisse“ vorgetragen haben, hatte ich meines immer noch nicht fertig gelesen, da ich einiges zwei, dreimal lesen musste. Dies war ein Erlebnis, wo mir das besonders aufgefallen ist.

Probleme und Einschränkungen in Alltagssituationen

Im Alltag kommt es immer wieder zu den verschiedensten Problemen, seit ich massiv durch die Erkrankung eingeschränkt bin. Wo ich überall eingeschränkt bin, möchte ich versuchen, mit den folgenden Punkten zu erläutern.

Körperhygiene Das normale waschen mit einem Waschlappen funktioniert zurzeit noch. Doch schon bei dem Haare waschen gibt es Probleme. Denn zum einen kann ich mich nicht lange runter beugen um so z.B. unter dem Wasserhahn vom Waschbecken die Haare zu waschen, zum anderen gibt es bei’m schamponieren Probleme. Denn dies klappt nur, wenn meine Finger beweglich genug sind, was leider morgens nicht mehr der Fall ist.

Wenn ich duschen möchte, klappt dies nur, wenn die Räumlichkeiten in denen sich die Dusche befindet, auch warm genug sind. Denn wenn ich nach dem warmen duschen in eine Kältere Umgebung müsste, reagiert mein Körper direkt mit Schmerzen und mit steiferen Gelenken.

Ähnlich ist es mit dem baden. Die Wärme tut mir zwar gut, aber danach muss es eben auch warm genug sein. In den letzten Wochen klappt das baden leider so gut wie gar nicht mehr. Denn einen Badewannenlifter haben meine Eltern nicht. Und so schaffe ich es nicht, mich in die Wanne zu setzten oder da gar wieder heraus zu kommen – mir fehlt in den Händen und Armen die Kraft, um mich da richtig abstützen zu können.

Probleme bereitet auch das Rasieren. Damit jenes klappt, muss ich einen Zeitpunkt abpassen, bei dem meine Handgelenke beweglich genug sind. Diese Zeitpunkte werden immer seltener, so dass ich mich meistens nur noch nach der Physiotherapie rasiere.

Beschwerlich ist auch das Haare kämmen und Zähne putzen. Noch kann ich die Bürsten greifen, doch diese Belastung merke ich eben auch jeden Tag.

anziehen der Kleidung Selbst das tägliche an- und ausziehen bereitet zunehmend Schwierigkeiten. Am problematischten sind die Socken / Strümpfe. Denn das klappt eh nur noch, wenn ich mich hinsetzten kann oder den Fuß irgendwo abstellen kann. Doch selbst dann ist es schwierig, da mir die Kraft fehlt, den Socken richtig auseinander zu ziehen.

Bei all der anderen Wäsche achte ich darauf, dass sie möglichst weit sitzt. Denn um so weiter und größer die Kleidungsstücke sind, desto leichter kann ich sie anziehen. Doch trotzdem ist es mit Schmerzen verbunden, wenn ich mir z.B. Oberteile an oder ausziehe, was alleine schon an der Bewegung liegt. Leider gibt es da auch kaum Möglichkeiten, sich dieses Problem zu erleichtern.

Haushaltsführung Aktuell komme ich noch alleine zurecht. Aber sobald „arbeiten“ im Haushalt anstehen, bin ich damit so ausgelastet, dass alles andere liegen bleiben muss. So zum Beispiel wenn neue Bettwäsche aufgezogen werden muss. Dazu braucht man nun mal etwas Kraft um z.B. die Matratze anheben zu können und jene fehlt mir schon. Wenn ich dann die „alte“ Bettwäsche noch in die Waschmaschine stecke und danach aufhänge, ist all meine Kraft aufgebraucht und das obwohl ich schon zwischen den einzelnen Schritten Pausen einlegen muss.

Auch das saugen oder wischen ist für mich sehr anstrengend. Wenn ich mit einem Mikrofasertuch die Schränke meines Internatszimmers abwische, dann pausieren muss und zum Schluss noch den Teppich saue, ist das Tagespensum wiedermal ausgeschöpft.

Um Überleben zu können muss man ab und an Lebensmittel einkaufen und auch Getränke. Dies klappt zurzeit nur noch an Tagen, wo ich frei habe und nichts anderes mache. Obwohl ich nicht viel alleine einkaufen kann, da mir die Kraft für den Transport fehlt, ist schon die gesamte Situation so anstrengend für mich, dass ich danach die Sachen noch in den Kühlschrank stellen kann und mich danach erstmal hinlegen muss. Dies trifft immer zu, wenn ich „unterwegs“ sein muss – es ist also nicht alleine am Einkaufen fest zu machen. Besonders bei den Getränken ist es so, dass ich mehrere Flaschen oder Getränkekartons nicht einkaufen kann, da mir die Kraft fehlt, jene dann zu transportieren. Ganz gleich ob ich die Sachen in einen Rucksack oder in eine Tragetasche packe, das Gewicht muss ich leider sehr gering halten.

Wenn ich meine Kleidung waschen muss, dann schaffe ich es zwar noch die Wäsche in die Waschmaschine zu packen und danach auf den Ständer hängen oder in den Trockner zu packen, doch danach brauche ich dann auch wieder Ruhe. Hinzu kommt noch die Feuchtigkeit der nassen Wäsche, die mir überhaupt nicht gut tut.

Essen und Trinken Aktuell kann ich mich in diesem Bereich noch selbst versorgen. Lediglich der Einkauf der Lebensmittel und Getränke ist wie bereits beschrieben sehr anstrengend.

Ein Brot schmieren, Brötchen aufschneiden und schmieren funktioniert zwar noch, aber ich muss mich sehr darauf konzentrieren und meine Hände brauchen danach etwas Zeit, bis die Anstrengung wieder weg geht.

Etwas warmes zubereiten klappt auch noch. Ich kann nur nicht lange am Herd stehen, so dass ich mich zwischen drin immer wieder hinsetzten muss. Aus diesem Grund bereite ich auch im Grunde alles im sitzen vor (z.B. schneiden von Gemüse).

Wenn ein Topf recht voll ist, habe ich ein Problem, da ich jenes eigentlich ständig abstellen muss. Selbst das abgießen von Nudeln oder ähnliches klappt nur, da ich meine Handgelenksorthesen benutze. Ohne sie wäre mir schon 1 Liter Wasser welches man z.B. zum kochen bringen möchte zu schwer.

Bewegung (Gehen, Laufen, Fortbewegung, ….) Mit einem Autoführerschein hat es leider nicht geklappt, da ich zurzeit der Prüfung neue Medikamente bekommen hatte und mich dadurch nicht mal auf die Theorie konzentrieren konnte. Doch auch jetzt als Fußgänger merke ich, dass die Medikamente Einfluss nehmen. Bis lang ist zwar noch nichts passiert, aber gerade wenn es viel Gedränge gibt oder ich eh schon durch irgendetwas erschöpfter bin, ist selbst das achten auf Verkehrszeichen (z.B. rote Ampel) schwierig und gelingt nicht immer.

Normales gehen klappt soweit noch, so lange es nicht zu viel wird. Freies stehen (ohne sich irgendwo anlehnen zu können) hingegen geht kaum noch. Das wird in sehr kurzer Zeit sehr schmerzhaft.

Schnelleres gehen oder gar laufen um zum Beispiel noch den Bus zu erwischen, kann ich gar nicht mehr. Genauso wie Treppensteigen. Dies geht zwar von der Funktion her noch, aber nicht mehr von der Kondition. Hinunter gehen kann ich sie noch.

Doch ganz gleich welche Bewegung es ist, ich muss damit haushalten, da mein Körper recht schnell ausgepowert ist.

Probleme im “sozialen” Leben

Durch die massiven Einschränkungen leidet auch das „soziale“ Leben. Früher war ich sehr in der Pfadfinderei aktiv, anfangs im Deutschen Pfadfinderbund Nordland, danach im Deutschen Pfadfinderbund Hamburg. Viel Zeit habe ich dort verbracht und konnte mich Ehrenamtlich mit einbringen. So habe ich mich zum Beispiel um das Material und um das „Vereinsheim“ gekümmert. Zudem gab es verschiedene Zeltlager und Wanderfahrten, die ich unter anderem mit organisiert habe.

Dies ist leider nun mehr vollkommen vorbei. Eine aktive Jugendarbeit in meinem Pfadfinderbund kann ich nicht mehr mit machen. Auch meine anderen Hobbys, zum Beispiel das Gitarre spielen, kann ich nicht mehr ausüben. Und auch die Alternative, das Fotografieren, ist für mich nicht normal nutzbar. Denn eine ruhige Hand habe ich nicht mehr und muss daher auf ein Stativ zurückgreifen – doch mit jenen kann man nicht in allen Situationen fotografieren.

Und selbst wenn es nur um simples lesen geht, so habe ich da auch Probleme. Denn einiges muss ich mehrmals lesen, bis ich es verstanden habe, woran vermutlich die Schmerzmittel schuld sind. Doch von meinen Händen her ist es so, dass ich Bücher nicht lange halten kann und sie ablegen muss – selbst Taschenbücher ohne Hardcover sind schon davon betroffen.

Viel schlimmer als der Wegfall der Hobbys ist für mich das ausgegrenzt sein. Die Erkrankung brach bei mir mit 16 aus. In dieser Zeit gab es die ersten Möglichkeiten Abends weg zu gehen, Bekannte zu treffen und neue Menschen kennen zu lernen und so vielleicht Freundschaften zu schließen. Doch dies wurde mir leider schon damals verwehrt. Durch die Basismedikamente war ich nicht mehr so fit wie andere in meinem Alter und musste daher eher nach Hause. Zudem durfte und darf ich kein Alkohol trinken, was mich persönlich nicht stört, doch die Personen in meinem Alter hatten kein Verständnis für meine Situation.

Neben diesem Erlebnis kommt noch hinzu, dass ich wie bereits erwähnt auch meine ehrenamtliche Jugendarbeit bei den Pfadfindern nicht mehr ausüben kann. Somit sind auch dort die Kontakte eingeschlafen, da ich eben nicht mehr mit auf den Aktionen bin und man leider keine gemeinsamen Erlebnissen hat.

Gerne würde ich mich irgendwo einbringen, doch die „Gesellschaft“ gibt mir kaum die Möglichkeit dazu. Denn es wird ständig erwartet, dass man sich mit einbringen kann, aktiv ist und das man anwesend ist. Dies geht bei mir leider nicht mehr, da ich nicht mal heute sagen kann, wie es mir am kommenden Morgen geht.

Da ich in einem kleinen Ort aufgewachsen bin, wo es kaum andere Kinder in meinem Alter gab, ist es aktuell nun mal so, dass ich leider keine wirklichen Freunde habe. Die Kontakte die mir geblieben sind, belaufen sich auf Menschen, mit denen ich über das Internet kommunizieren kann. Außerhalb habe ich „nur“ noch meine Familie (Eltern, Schwester), eine ehemalige Klassenkameradin und einen Freund aus meiner aktiven Zeit bei den Pfadfindern.

Doch neue Menschen kennen lernen oder gar Freundschaften aufbauen, kann ich kaum machen, da mir selbst die Kraft fehlt, um mich in ein Cafe, Pub oder ähnliches zu setzten. Wie bereits erwähnt schaut es ähnlich mit Vereinen oder Organisationen aus, in denen ich mich eigentlich einbringen wollen würde.

Aktuell lässt sich diese Situation nicht ändern. Vielleicht hat mein Körper wieder Kraft dafür, wenn meine Ausbildung zu Ende ist und ich zur Ruhe gekommen bin. Doch ob dies klappt oder nicht, wird nur die Zeit zeigen. Aktuell ist es leider nicht der Fall.

ein Fazit?

Auch wenn ich nicht jeden Handgriff aufgeschrieben habe, so denke ich trotzdem, dass diese Zeilen vermitteln, wie meine derzeitige Situation ist. Weiter in’s Detai möchte ich nicht gehen, da es mich selbst nicht gerade aufbaut so bewusst wahrnehmen zu müssen, wie meine körperliche Verfassung ist.

Daten: Verfasst von Muckel, am 4. Mai 2010, um 9:03 Uhr.
Abgelegt unter: Gedanken, Rheuma
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Kommentare: Es wurden 2 Kommentare geschrieben.

Kommentare und Reaktionen

Kommentare

Es gibt 2 Kommentare zu diesem Artikel.

  1. upsi sagt:

    Hey,
    ich habe großen Respekt davor, was du trotz allem noch alles packst und wie du das hier aufgeschrieben hast, das war sicher nicht leicht, aber ist ja auch wichtig.
    Andere hätten die Ausbildung sicher schon geschmissen (viele schmeißen wegen viel belangloseren Problemen) und da kannst du wirklich stolz auf dich sein, dass du es so weit geschafft hast.
    Liebe Grüße

  2. muckel sagt:

    Guten Morgen,

    ja – Du hast recht damit, dass sehr viele Menschen schon viel eher aufgeben und sich vorallem auch nicht um ihren Kram kümmern. Besonders hier im Berufsbildungswerk stelle ich das immer wieder fest. Sehr viele fehlen hier sehr äufig und das teilweise ohne Ärztlichebescheinigungen oder sie meinen, dass sie Abends feiern müssen und dadurch dann morgens nicht pünktlich auf der Arbeit erscheinen können. Und selbst wenn sie hier sind, dann gehen sie häufig raus zum rauchen und können ihre Arbeit teilweise nicht ausführen.

    Da bin ich anders und setzte meine Prioritäten zurzeit auf die Ausbildung. Einfach ist es nicht, da mein “restliches Leben” darunter leidet und es jenes im Grunde nicht mehr gibt. Auch hat die “Gesellschaft” dafür kaum Verständnis. Ganz im Gegenteil man muss sich meistens noch dafür rechtfertigen, wenn man Ruhe- oder Auszeiten braucht.

    Die Situation ist eben wie sie ist und ich habe nur die Möglichkeit das alles durchzustehen. Denn die “Alternative” kommt für mich nicht in Frage und zum anderen kann man über jene ja nichtmal laut/öffentlich nachdenken.

    Liebe Grüße
    Muckel

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