Muckels Tagebuch

aus dem Leben geschrieben

 

Artikel zum Schlagwort Gefühle

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Verfasst von Muckel.

Gedanken zu dem was ein Jahrestag sein könnte

Liebes Blog,

es sind nun wieder Sommerferien in meinem Bundesland und es steht auch das erste Ferienwochenende bevor. Damit nähert sich auch der Jahrestag oder wie immer man es nennen mag, an dem ich meine Autoimmunerkrankung, das entzündliche Gelenkrheuma, zum erstenmal bewusst wahrnehmen musste.

Damals war die Horte in der ich war auf dem Weg in die Stadt L’Aquila, Italien. Wir wollten unsere gmeinsame Zeit dort in den Abruzzen verbringen. Wie es übliche war, wollten wir einfach »auf Fahrt« gehen und so sind wir samt Gepäck mit dem Zug angereist. Schon am Bahnhof der Stadt schmerzte mein linkes Bein von der Hüfte abwärts. Es wurde die Tage danach auch nicht besser, bis ich im Krankenhaus der Stadt war und Schmerzmittel bekam.

Doch die Tage waren nicht gut, da wir wieder zurück zu der Stadt mussten, nicht wirklich weiter kamen und die anderen auf mich Rücksicht nehmen mussten. Zum Glück taten sie das auch und habe kein einziges mal gemeckert oder ähnliches. Nach den Schmerzhaften Tagen war es zum Glück vorrüber, so das wir noch eine sehr schöne Fahrt hatten.

Das musste ich in den Sommerferien 2003 erleben. »Auf Fahrt« war ich nochmal über Ostern 2004. Diese Fahrt, auf der wir Älteren Unterwegs waren, wollte ich nutzen um festzustellen, ob ich noch »auf Fahrt« gehen kann oder nicht. Leider musste ich die Entscheidung treffen, dass es nicht mehr geht. Denn schon da war ich nach einem Tag so ko, das ich nicht wirklich helfen konnte die Kothe aufzubauen, Feuerholz zu suchen oder auch nur nach dem Essen noch ein wenig am Feuer zu sitzen. Schweren Herzens bin ich danach vorerst nicht mehr »auf Fahrt« gegangen.

Immerhin hatte ich noch das ein oder andere Lager, sowie sogenannte überbündische Veranstaltungen wie zum Beispiel den Hamburger Singewettstreit (HaSiWe). Mit den folgenden Monaten, Jahren hat sich mein Körper soweit verändert, dass das Trifels Treffen im Oktober 2008 meine letzte überbündische Veranstaltung war. Und schon da war es eigentlich zu viel für mich, was sich unter anderem darin zeigte, dass ich von dem Burgabend nicht wirklich viel mitbekommen habe.

Das aller letzte mal war ich in dem Sommer »auf Fahrt«. Zum Glück haben sich Sylvia und DreJu bereit erklärt, dieses Wagnis mit mir einzugehen. Auch Meersch. der es etwas später erfuhr kam mit und so hatten wir eine für mich sehr schöne Fahrt. Dafür das die Drei dieses Wagnis mit mir eingegangen sind, möchte ich an dieser Stelle nochmal Danke sagen! Auch wenn wir oft Pausen einlegen mussten. Für mich war es zu dem Zeitpunkt sehr wichtig nochmal »auf Fahrt« gehen zu können, da ich den Zeitpunkt bestimmen wollten, mit dem dieser sehr schöne Lebensabschnitt zu Ende ging.

Doch heute ist es nicht einfacher dadurch. Gerade jetzt, wo wieder Großfahrten-, Urlaubs-, Reisezeit ist, bin ich wieder zu Hause. Bin nicht unterwegs und schon garnicht in einfacher Form mit Wanderschuhen und Rucksack. Das geht nun nicht mehr.

Es ist nun ja schon so weit, dass es schwierig ist die Haare zu waschen, die Rasur, alles was mit Kraft zu tun hat und selbst sich nur mal in’s Kino zu setzten sorgt dafür, dass ich danach die “Quittung” bekomme. Mit Hängen und Würgen habe ich die Ausbildung zwar noch Erfolgreich beendet, doch an Arbeit ist im Moment leider nicht zu denken.

Oft genug habe ich meinem Blog schon geschrieben, wie es meinen “Knochen” geht und wie ich mich fühle. Daher werde ich nun nicht weiter schreiben. Es reicht zu wissen, dass eben im Moment der Zeitpunkt da ist, an dem ich früher Unterwegs gewesen wäre, an dem ein negatives Jubiläum da ist und das es wohl verständlicher weise einem damit nicht all zu geht.

Vorallem wenn man im Moment an dem Punkt ist, wo die Schmerzen wieder hoch sind und man sich daher Fragt, ob man die letzte Erhöhung des Schmerzmittel vornimmt oder es noch versucht hinaus zu zögern. Doch das dann für den Preis, dass man neben den Schmerzen auch noch schlecht schläft.

Für heute sage ich Tschüss, doch Dir, mein Blog, werde ich wohl wieder schreiben. Ade!

Daten: Verfasst von Muckel, am 22. Juli 2011, um 9:00 Uhr.
Abgelegt unter: Gedanken, Gesundheit, Rheuma
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Verfasst von Muckel.

Erinnerungen, Erlebtes und Erfahrungen, Gedanken und Fragen, Zweifel oder Verzweiflung?

Es war im Sommer 1998, als ich durch meine Eltern an die Pfadfinderei gekommen bin. Sie hatten ihre Klufthemden, Halstücher, Lilien und Kordeln immer noch aufbewahrt und hatten mir nun endgültig berichtet, was es mit diesen Sachen, die ihren Platz auf dem Dachboden hatten, auf sich hatte. Mein Interesse war geweckt und zum Glück war an dem Wochenende Altstadtfest in Salzgitter-Bad, auf dem der Stamm in dem ich groß geworden bin, einen Stand hatten. Nachdem ich die Sommerferien noch abwarten musste, war es endlich so weit, die erste Gruppenstunde war da. Bei dieser Gruppenstunde hätte ich auch nochmal zu Hause bleiben können, da die Horte mit Heimputz dran war. Da ich von meinen Eltern bereits wusste, dass man in der Pfadfinderei zusammen hält, bin ich geblieben und dies war der Anfang meiner Zeit bei den Pfadfindern.

Da meine Eltern ebenfalls aktiv waren und ihre Kluft noch hatten, konnte ich schon zu Beginn mit einem Klufthemd und dem Jungenschaftswappen dabei sein. Es hat nicht lange gedauert, es war das erste Herbstlager, auf dem ich in den Stamm und somit in den Bund aufgenommen wurde und somit auch mein Halstuch in der Aufnahmerunde überreicht bekam. Für mich war das schon etwas besonderes, da ich im “zivilen Leben” nur schlechtes erfahren habe. Heut zu Tage würde man das wohl Mobbing nennen, was in der Dorfjugend und im Kindergarten, Schule vor sich ging. Um so schöner war es für mich, dass ich nun eine Gemeinschaft gefunden hatte, in der das nicht der Fall gewesen ist.

Im Sommer 1999 folgte die erste Großfahrt, die uns in die Schwäbische Alb führte. Jene war noch nicht einfach für mich. Das erste mal von zu Hause weg und immer noch Sachen, die ich nicht so gut erledigen konnte. Während meiner zweiten Großfahrt während der Sommerferien 2000 wurde es langsam besser und so konnte ich noch mehr schönes aus dem Bayrischen Wald mitnehmen. Ein Jahr später haben wir uns das erste Mal aus Deutschland heraus getraut. Das Elsass Gebirge in Frankreich war unser Ziel und es zeigte sich, dass die Nähe zu Deutschland gut gewählt war, da es die einzige Fahrt war, die wir vorzeitig abbrechen mussten, was an einem Magen-Darm-Infekt lag. Doch schon in den Sommerferien drauf ging es wieder in’s Ausland, dieses mal auf die Masurische Seenplatte nach Polen. Für mich war es ab dieser Fahrt irgendwie anders. Das kann daran gelegen haben, dass unsere Horte nun ihren festen Kreis gefunden hatten und wir uns alle auch gut verstanden. Im Frühjahr 2003, über Ostern, folgte meine erste Führerfahrt und mit ihr habe ich auch das Trampen kennen gelernt. Mit einem Älteren aus meinem damaligen Stamm haben wir uns auf diese Weise bis Spanien durchgeschlagen und nach der Fahrt auch wieder zurück.

Ungefähr ein 1/2-Jahr später begann meine Erkrankung. Wir kamen mit dem Zug in der Italienischen Stadt L’Aquia an und bei dem Aussteigen schmerzte mein linkes Bein der Hüfte abwärts. Dank eines Schmerzmittel, welches im Krankenhaus verschrieben wurde und dann den Gefährten aus meiner Horte konnte ich die Fahrt beenden und habe noch sehr viele schöne Momente erfahren. Ostern 2004 war ich mit der Führerschaft meines Stammes nochmal auf Fahrt, dieses mal in Griechenland. Doch es zeigte sich, dass es selbst für eine Älteren Fahrt nicht mehr gut war, da ich nach einem Wandertag nicht mehr fit genug war, um mich regelmäßig am Kothenaufbau, der Feuerholzsuche oder dem Kochen beteiligen konnte und viel Zeit für mich brauchte.

Zwischen diesen Fahrten gab es kleinere Wochenendfahrten und Lager, doch die schönste Zeit war eben auf Fahrt und das war nun vorbei. Leider lief es auch im Stamm nicht mehr gut, da es mit neuen Horten aus verschiedenen Gründen nicht wirklich klappte. Die übrig gebliebenen, Älteren entschieden sich aber das Heim zu behalten. So gut es mir möglich war, habe ich mich in der letzten Zeit in dem Stamm um das Heim gekümmert. Bei jedem Wochenende, dass ich in Salzgitter verbracht habe, ging es zu erst zum Heim um zu kontrollieren, ob alles in Ordnung ist. Ab und an kam auch eine Gruppe, die in das Heim wollten und zweimal habe ich mit DreJu auch den Rasen der Wiese gemäht. Doch leider gab es sonst niemanden, die/der vorbei kam oder sich auch nur gemeldet hatte. Schon komisch, das sich einige Personen zu ihren Geburtstagen dann an das Heim erinnern konnten. Als ich mich auch nicht mehr genügend um’s Heim kümmern konnte und es eben auch keinen Kontakt mehr gab, habe ich damit aufgehört und einen Schlussstrich gezogen.

Diese Entscheidung wurde mir vereinfacht, da ich zu dieser Zeit noch ein wenig fitter war und unter anderem nach Hamburg konnte. Doch auch das ging nicht mehr lange. Eine aller letzte Fahrt konnte ich im Sommer 2008 in das Grenzgebiet nach Tschechien machen. Dank eines Pfadfinders aus unser Horte und einer Pfadfinderin die ich durch den Pfadfinder Treffpunkt und dem HaSiWe kennen lernen durfte, war dieses Wagnis möglich. Für mich war es aber sehr wichtig, das ich bestimmen wollte, wann ich das letzte mal auf Fahrt war. Im Herbst 2008 konnte ich nochmal auf der Trifels sein. Es haben vermutlich mehrere Mitbekommen, wie “gut” [Achtung, Ironie.] es mir ging (selbst bei dem Burgabend).

Obwohl sich in dem Jahr gezeigt hat, dass für mich Fahrten und ohne massive Hilfe auch andere Aktionen nicht mehr möglich sind, hat es fast drei Jahr gedauert, bis ich mich von meinem Affen, meiner Juja, meinem Bären trennen konnte. Doch konnte ich das wirklich? Heute habe ich die Sachen an die neuen Besitzer geschickt und schon sitze ich am Abend an meinem Netbook und tippe diese Zeilen.

Leichtgefallen ist mir das nicht. Doch vielleicht gibt es so einen neuen Kontakt. Denn eine Pfadfinderin bot mir an, dass sie mir eine Karte oder Brief schreiben wird, wenn sie mit dem Bären unterwegs ist. Das hat mich sehr gefreut, denn meine “sozialen Kontakte” sind sehr wenig geworden. Aus Pfadfinderkreisen habe ich noch zwei lose Kontakte, die sich in der Regel auf das schreiben von elektronischen Nachrichten beschränken. Eine ehemalige Klassenkameradin kann ich immer dann treffen, wenn es ihr Dienstplan und meine Erkrankung zulässt. Durch den Austausch mit anderen Rheumatikern gibt es eine Freundin, mit der ich ab und an telefonieren kann und auch treffen kann, wenn wir mal wieder in der gleichen Stadt sein sollten. Daneben gibt es in Braunschweig noch einen Rheuma-Stammtisch, der sich bis lang einmal im Quartal trifft.

In ungefähr 5 Wochen werde ich 25. Eigentlich ist das der Lebensabschnitt, in dem man sich mit anderen trifft, zusammen feiert, etwas unternimmt, einem Hobby nachgeht und so Freundschaften schließt und sich vielleicht auch Partnerschaften finden. Doch das ist leider anders: mein “Hobby” kann ich nicht mehr ausleben; der Versuch ein neues zu erlernen, das Fotografieren, klappt zumindest in Gemeinschaft auch nicht; und “Feiern”, Bekannte, Freunde treffen kann ich nicht. Denn wer möchte sich mit Mitte 20 anhören, bei welchem Arzt man war, welche Gelenke schmerzen, ob das Schmerzmittel noch wirkt und was es im Fernsehen gab? Diese Gespräche möchte wohl niemand haben, der mitten im Leben steht und selbst noch keine Erkrankungen, Einschränkungen erlebt oder im direkten Umfeld hat.

Bin ich sauer, wüten darüber, dass die “Menschen” so sind? Nein, ich denke nicht. Denn die Gesellschaft hat meine Generation so geformt. Man soll leistungsfähig, dynamisch, anpassungsfähig, freundlich, stark sein. Schwäche, etwas nicht können, versagen stellt etwas sehr negatives da. So sind selbst Volkshochschule und Vereine abgeneigt, wenn man ihnen sagt, dass man sich gerne einbringen möchte, doch nicht immer fit sein kann.

Dabei gibt es immer noch eine schöne Erinnerung. Es war auf dem Silvesterlage, nach dem die Diagnose gestellt wurde. Wir waren in einer Hütte, die mitten im Wald lag. Keine Heizung, kein Strom kein fließend Wasser. Wärme gab es im Hauptraum durch einen Kamin. Es sollte eine Saunakothe gebaut werden, was ein wenig meiner Aufgabe war. Sie haben wir auch gebaut und obwohl Schnee lag, wurde sie auch genutzt. Von fast allen, die mit waren. Nur von mir nicht. Denn ich wusste damals schon, dass Temperaturunterschiede für mich nicht gut waren. Diese Situation war aber leider die erste, die mir gezeigt hat, dass mich die Erkrankung doch sehr einschränken wird. Auch am Abend hatte ich damit noch meine Probleme und war alleine draußen, da in der Situation fröhliches Singen und Gitarrenspiel nichts für mich war. Während ich draußen war, ging auch eine aus meinem Stamm hinaus und auf ihrem Rückweg, setzte sie sich einfach neben mich. Sie sagte nichts und legte nur für einen Moment ihren Arm auf meine Schultern. Und genau das tat gut, da ich eben nicht alleine war, dank ihr.

Doch nun habe ich so etwas nicht mehr. Meistens ist es noch viel schlechter, da man sich dafür rechtfertigen muss, wenn man etwas nicht kann oder einfach seine Ruhe braucht. Es gibt viele die meinen, dass man in eine Depression geraten könne und manche, die einem so etwas auch versuchen einzureden. Doch wenn selbst die Fachleute auf diesem Gebiet sagen, dass man realistisch mit der Situation umgeht, dass man selbstständig nach Lösungen sucht um doch noch das zu machen, was geht und das sie einem nicht helfen können, ist es sehr schade, wenn man dann alleine da steht.

Gerade bei Rehaaufenthalten wo über diese Thematik gesprochen wird, sagen viele, dass sie einen guten Freund, Freundin haben und sich jeder Zeit bei ihm/ihr auskotzen können. Doch während meiner Rehamaßnahmen war ich mit Abstand immer der Jüngste und wenn man dann auch bei den Patientenschulungen sagt, dass all dies nicht klappt, da es leider keinen so gefestigten Freundeskreis gibt, wissen auch die Schulungsleiter (Sozialarbeiter, Ärzte, Mitarbeiter der Rheumaliga) keinen Rat oder Tipp und machen dann schnell im Thema weiter.

Bei diesen Patientenschulungen gibt es immer das Beispiel, dass ein Kegelclub wandern geht, was die Erkrankte Person dieses Clubs nicht mitmachen kann. Nun wird da geraten, dass man sich zu dem Ort, wo sie Pause machen, hinfahren lassen sollte, um wenigstens dann noch bei der Pause dabei sein zu können. Leider geht das in der bündisch geprägten Pfadfinderei nicht wirklich und bei meinen Versuchen bei neuen Vereinen Fuß zu fassen, ging es nicht einmal soweit.

War man nicht schon vor der Erkrankung in einem Verein, Organisation, “Kreis von Menschen” bekannt, so gibt es mehr Skepsis und Ablehnung als den Versuch von Toleranz und Akzeptanz. In dem kleinen 300 Seelen Ort in dem ich zur Zeit lebe, gibt es die Freiwillige Feuerwehr. Dort könnte ich vielleicht aktiv werden. Könnte Pressearbeit machen oder das Protokoll schreiben. Das eigentliche Ziel einer Freiwilligen Feuerwehr könnte ich aber nicht nachvollziehen. Selbst die Rentner-Gruppe ist soweit aktiv, dass sie sich um die Geländepflege kümmern und um handwerkliche Sachen. Auch das Auf- und Abbauen von Zelten und/oder Verkaufsbuden bei dem Osterfeuer oder anderen Festen ist in ihrer Hand. Da kann ich auch nicht helfen, kann auch keine Getränke im Bierwagen verkaufen oder im Grillstand stehen. Dies ist ein Beispiel dafür, dass es sehr schwierig ist, noch soziale Kontakte zu haben, wenn man durch die Erkrankung alte Bindungen verloren hat.

Somit verbringe ich die meisten Tage damit, alleine zu Hause vor dem Fernseher zu liegen, ein Buch zu lesen oder im Internet zu sein. Einmal im Quartal unterbrochen von einem Arzttermin und dem Rheuma-Stammtisch. Ab und an ein Treffen mit M. und einem Telefonat mit Ch. Doch wirklich viel ist das nicht, vor allem da die Personen bei dem Stammtisch meine Eltern sein könnten, vom Alter her.

Denke das zeigt, wieso ich mich über das Angebot der Postkarten oder Briefe sehr gefreut habe.

Für was hätte ich meinen Schweizer Affen, den Fahrtenbären und die Juja noch aufheben sollen, wenn selbst die einfachsten Dinge, die andere nicht mal bewusst wahrnehmen, eine Schwierigkeit, Einschränkung und/oder Belastung darstellen?

Mir ist bewusst, wie sehr die Erkrankung meinen Körper in der Hand hat und das es immer schlechter wird. Denn noch ist es komisch die Sachen nun nicht mehr zu haben. Sogleich ich weiß, dass ich “die Wanderschuhe schnüren, den Affen schultern und los ziehen” nicht mehr kann.

Nun neigt sich der Tag dem Ende entgegen und mein Kopf ist noch immer voller Gedanken, Fragen und Erinnerungen an die Momente, die so schön waren. Ändern wird sich auch durch diese Zeilen nichts. Vielleicht ist es aber besser, als nur die Gedanken für sich selbst zu haben.

Gute Nacht und bis Morgen, auch wenn diesen Gruß wohl niemand weiter liest.

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Verfasst von Muckel.

das leben mit Einschränkungen und deren Folgen

Man Versucht “aktiv” zu bleiben, unter Menschen zu sein und an “Sachen” teilzunehmen, so gut es geht und man bekommt dann trotzdem keine klaren Antworten oder gar Hilfen.

In der Post war Gestern eine Einladung zu einem “Kennenlernseminar” von einem sozialen Verband. Leider stand in dem Brief nichts zu einem Programm, weshalb ich meine Frage gestellt habe:

= = => BEGINN FRAGE <= = =

Sehr geehrte Damen und Herren,

in meiner Post hatte ich heute eine Einladung von Ihnen, zu einem Kennenlernseminar in Berlin (…). Leider geht aus Ihren Informationen nicht hervor, was dort an Programm angedacht ist. Es ist lediglich geschrieben: “(…) Deutschlands Metropole Nummer 1 unsicher zu machen.”

Mich würde nun interessieren, was ich unter “Berlin unsicher machen” zu verstehen habe. Ist damit gemeint, dass man sich einiges Anschaut, besichtigt und z.B. zu Fuß eine Führung durch Berlin macht?

Leider habe ich eine Autoimmunerkrankung die mich ziemlich einschränkt, wodruch ich u.a. einen Grad der Behinderung (GdB) von 60% habe. Mir ist es zum Beispiel nicht Möglich eine Führung durch die Stadt mit zu machen, bei der man läuft und steht. Ebenso schaut es mit Besuchen von Museen oder ähnlichem aus.

Einen Rollstuhl habe ich noch nicht. (…) Um mich entscheiden zu können, wäre es sehr gut, wenn Sie mir Informationen zukommen lassen könnten. (…)

Mit freundlichen Grüßen
Tobias Müller

= = => ENDE FRAGE <= = =

= = => BEGINN ANTWORT <= = =

Hallo Tobias,

vielen Dank für Deine Nachricht. Bezüglich der Freizeitgestaltung an dem Wochenende in Berlin haben wir noch kein festes Programm, da die Teilnehmer selbst wählen können, was sie machen möchten. Dabei ist ein Stadtrundgang nicht auszuschließen. Zu Deiner Beruhigung möchte ich aber anmerken, dass es hier im Haus Rollstühle zum Ausleihen gibt und sich mit Sicherheit jemand finden wird, der Dir bei der Mobilität behilflich ist. Zumindest war es die vergangenen Seminare auch so.

Wenn Du Dich nun anmelden möchtest, tue dies möglichst zeitnah, da wir nur noch eine begrenzte Anzahl an Plätzen zur Verfügung haben.

Viele Grüße aus Berlin
[Vorname und Nachname entfernt]

= = => ENDE ANTWORT <= = =

(Ausgelassen habe ich nur Nebensätze, die eher der Höflichkeit dienten.)

Was darf ich davon nun halten? Ohne zu wissen, was dort gemacht wird bzw. ob ich das auch vilt. mitmachen könnte, kann ich doch nicht auf “gut Glück” nach Berlin reisen. Vom Geld einmal abgesehen, aber im schlechtesten Fall wäre es so, dass ich dann alleine im Hotel- / Hostel- / Jugendherbergszimmer bleibe…

Alle Welt redet auf einen ein, das man “aktiv” sein soll und etwas “Unternehmen” soll – doch wie, wenn immer so ein sch* geschieht?

Motivierend ist das alles nicht!

Und wenn meine Tante nacher erscheint, darf ich mir sicherlich wieder anhöhren, dass ich doch etwas machen sollte und nicht nur zu Hause sein sollte, das ich mal “raus” sollte usw. usw. usw.

Was aber bitte soll, kann man/ich noch machen?

Hasse in solchen Momenten meine Krankheit, meine Einschränkungen und das dadurch resultierende “Leben”.

Daten: Verfasst von Muckel, am 28. Januar 2011, um 11:28 Uhr.
Abgelegt unter: Gedanken, Gesundheit, Rheuma
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Verfasst von Muckel.

Selbstzweifel – ist es noch angemessen, vernüftig?

am Samstag ist es wieder so weit, der noch junge Rheumastammtisch trifft sich in Braunschweig um etwas zu essen und vorallem um sich auszutauschen. Positive Erlebnisse gehöhren dazu, wie auch Gespräche über die Erkrankung. Ein Treffen fehlt mir zwar, doch auch von meinem 1. Treffen kann ich sagen, dass es eine sympatische, freundliche und nette Runde ist.

Es ist die Nacht zu Mittwoch, also noch ein wenig Zeit bis Samstag Abend. Doch morgen und Freitag muss ich zum Verbandswechsel. Da die Wunde, das Loch noch immer mit Gage ausgestopft werden muss, ist es schmerzhaft. Durch den Schmerz, der zum “Rheuma” und Schmerzsyndrom hinzukommt, ist es körperlich belastend.

Am vergangenen Freitag bin ich mit dem Auto in die Stadt Goslar gefahren wurden. Dort haben wir etwas gegessen und sind danach nur in ein Schuhgeschäfft gegangen. Dort ein Paar Stiefel anprobiert, bezahlt und zurück zum Auto. Doch das war für meinen Körper schon völlig ausreichend.

Samstag wird es anders. Treffen ist um 18 Uhr, Ende wohl wieder gegen Mitternacht. Vorher mit dem Bus in die Stadt, da noch ein Weihnachtsgeschenk fehlt und ich sonst keine Möglichkeit mehr habe es zu besorgen. Werde wohl gegen 14:30 Uhr los um etwas eher in Braunschweig zu sein. Zum Glück werde ich gut Heim kommen, da mich eine sehr nette Person mit nimmt.

Abgesehen davon, dass ich mich über die schwierige Thematik austauschen kann, ist es wohl sehr Gut und wichtig, Menschen zu treffen. Diesem positiven steht gegenüber, dass es körperlich sehr anstrengend wird. Und ich werde danach vermutlich wiedermal die Quittung erhalten. Ist es sinnvoll, gut, angemessen das ich Schmerzen, steife Gelenke in kauf nehme? Immerhin ist es “nur” ein Abend, an dem ich mit Menschem zusammen sitze ~ die “Beschwerden” werden Tage lang anhalten.

Für dieses mal habe ich noch ‘ne Entscheidung getroffen und werde hin gehen. Ob das körperlich gut ist, ist zu bezweifeln. Mental ist es gut andere zu treffen, doch zu merken wie es mir körperlich als jüngster in der Runde geht, ist nicht so wirklich gut.

Es gibt wohl kein Richtig oder Falsch bei der Frage was man in so einer Situation tun sollte, dennoch interessiert mich, was Du dazu denkst. Wie würdest Du dich entscheiden, verhalten? Kämpfen?

Wenn der Punkt erreicht ist, dass ich mich zu soetwas nicht mehr “zwingen” kann, ist dann wohl alles vorbei. Nur noch in meinem Zimmer vor dem Fernseher zu liegen und ab und an zum Arzt, kann ich nicht als lebenswertes oder gutes Leben bezeichnen. Wäre das mit Mitte 20 überhaupt noch Leben?

Leben … lebenswert … Was ist Leben überhaupt? Medizinisch und wissenschaftlich wohl “nur” das Funktionieren von Körperfunktionen. Und das kann sehr dezimiert sein, mit den heutigen Intensiv- Medizinischen- Möglichkeiten. Soll es das gewesen sein? Für mich nicht!

Wieder eine Nacht, die voller Gedanken, Fragen, Überlegungen ist…

Daten: Verfasst von Muckel, am 16. November 2010, um 23:54 Uhr.
Abgelegt unter: Gedanken, Gesundheit, Rheuma
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Verfasst von Muckel.

Gedankenkarussell

Inzwischen ist es wieder November.Die Nächte wurden kalt und ich kann wieder nur im geheiztem Zimmer unter der Decke liegen. Diese Eintönigkeit ist nur durch Arzttermine und Klinikaufenthalte unterbrochen oder wenn meine Familie (Eltern, Schwester) etwas mit mir machen können.

In den Medien ist zur Zeit viel von Streiks, Zivielenungehorsam die Rede. Seien es Aktionen von Gewerkschaften, gegen Stuttgart 21 oder gegen die Atomenergie mit ihren Folgen wie unter anderem dem Kastortransport, um nur die aktuellsten “Themen” zu nennen. Eine Meinung habe ich dazu, doch ihr außerhalb von Wahlen ausdruck verleihen, kann ich nicht (mehr).

… wie auch all das andere …

Nach den Erfahrungen, Erlebnissen in diesem Jahr sollte ich wohl froh sein, dass ich noch auf/in meinem Bett liegen und in den Fernseher schauen kann; oder? Im Frühjahr nahm die Belastbarkeit massiv ab und die Kurzatmigkeit zu. Bis schließlich eine beidseitige Lungenembolie entstanden war. Der Ausgang war zwar Gut, doch es war Zwischenzeitlich sehr knapp. Bis Ende Juli spann der Magen rum, ohne das die Ursache geklärt wurde. Der Blutverdünner / Gerinnungshemmer , der mich nun noch zum Bluter macht, war bis Anfang November eher kein Problem. Doch bei meinem “Glück” reichte es nicht einen Abzess mit Salbe zu behandeln. Ein Chirurg musste ran und ihn Spalten (raus schneiden), wodurch ein Wallnuss großes Loch entstanden ist. Somit muss ich nun alle zwei Tage zum Arzt und die Wunde mit Gage ausfüllen lassen, damit es von Innen zuheilt.

Nach alldem kann ich also froh sein,
noch im warmen Zimmer liegen zu können?

Heute Abend sind die Gedanken wieder einmal im Karussell. Es liegt wohl daran, dass der Abzess operiert werden musste, die Gelenke und Schmerzen dadurch schlimmer sind und ich mich wieder nicht belasten darf und kann. Als ob die Zeit von Februar bis Ende Juli nicht gereicht hätte.

  • Frühgeburt
  • 5 Operationen
    davon 2 schwere Eingriffe
  • als Kind Entwicklungsverzögerung von circa einem Jahr
  • Brille*
  • Hänseleien (heute nennt man es Mobbing)
  • Zahnspange*
  • “krumme” Wirbelsäule
  • Rheuma
  • chronisches Schmerzsyndrom
  • Osteoporose
  • Lungenembolie

* = diese Sachen bezeichne ich noch als normal.

Aber so ist es ja schon immer in meinem Leben, wie die Auflistung auf der rechten Seite zeigt. Von eine in die andere Sache rein. Kämpfen, Durchhalten schon immer…

Bis jetzt habe ich immer gekämpft und durchgehalten. Gute 24 Jahre inzwischen. Doch in letzter Zeit ist es nicht mehr so selbstverständlich… Die Fragerei beginnt. Wozu kämpfe ich? Für wen oder was? Weshalb kommt immer neues dazu? Lohnt sich all das überhaupt?

Es ist ein Gedankenkarussell. Man kann diese Gedanken, Fragen, Emotionen nicht ein- oder ausschalten. Vielleicht werden sie manchmal ausgelöst, vielleicht kommen sie von alleine. Es ist kein “Muster” zu erkennen, keine Einflussnahme möglich. Sinn macht das wohl nicht, doch der Mensch ist keine Maschine ohne Gefühle, Emotionen.

Der Bereich der Einschränkungen und Schwierigkeiten ist sehr groß und jeder Mensch empfindet diese “Dinge” unterschiedlich. Für mich sind es eher die Folgen, Auswirkungen: das ich kaun noch soziale Kontakte, Freundschaften habe und jene zur Zeit nicht aufbauen kann. Gefolgt davon, dass ich körperlich immer mehr abbaue und stetig mehr Hilfe von anderen (Eltern, Schwester) brauche.

Gegen die Entwicklungsverzögerung als Kind habe ich gekämpft, genauso gegen die schlechte Feinmotorik. Trotz mießer “Vorhersagen” habe ich den “erweiterten Realschulabschluss” (erweiterter Sekundarabschluss I) und eine Ausbildung zum IT-Systemelektroniker erreicht.

Doch wozu habe ich mir das erkämpft?
Die Kraft zu Arbeiten, für die Technikerschule,
für ein Studium habe ich nicht mehr.
Was also bringt mir das, was ich erkämpft habe,
wenn es nicht mal anerkannt und respektiert wird?

Es ist schwierig und das auch für die Menschen, die erleben (müssen) das es zur Zeit immer weiter Bergab geht. Dies macht “reden” sehr schwer. Eltern, Schwester und den letzten Freunden ist es eine Belastung, was ich nachvollziehen kann – sie sind ja ebenso hilflos. Einer Religion folge ich nicht, wodurch auch ein Gespräch mit einem Pastor oder gar einem Gott ausfällt. Und mit den sogenannten Fachleuten kann ich auch nicht reden. Denn ich bin sachlich über meine Krankheit informiert, suche selbstständig nach Lösungen und Alternativen, versuche soweit es geht unter Menschen zu sein, kann Nachts schlafen, habe einen “normalen” Tagesrythmus und zeige auch keine anderen “Anzeichen”. Das ist die Begründung, weshalb “einfach mal erzählen” nicht möglich ist. Es muss also immer was passieren, bevor es Hilfe gibt.

Ein Ventil habe ich gefunden und wenn Du diese Zeilen liest, dann kennst Du es. In meinem Blog schreibe ich auch über das Negative und habe so einen Weg für mich gefunden. Es fehlt hier leider an Feedback, Rückmeldungen, Gesprächen, doch es ist besser als wenn ich nichts machen würde. Vielleicht entwickelt sich ja Feedback noch. Doch auch wenn nicht, kann ich es verstehen. Denn wieso sollte sich jemand mit “Negativen” beschäftigen?

Das ist vermutlich auch der Grund, weshalb fast alle Kontakte weg gebrochen sind. Nur von Schmerzen, Einschränkungen, Arztterminen und Klinikaufenthalte berichten zu können, ist nicht wirklich etwas, was Menschen interessiert.

Es gibt zum Glück Menschen, die sich auch mal von sich aus melden. Zwei von ihnen sind selbst erkrankt und kennen es daher selber. Und die zwei anderen sind von ihrer Einstellung her anders. Doch auch zu diesen vier Menschen ist der Kontakt hauptsächlich über die Elektronik möglich, was an der Gesundheit und zusätzlich Entfernung liegt. Leider kann ich kaum noch Spontan, ausdauernd, stark usw. sein und passe daher wohl nicht mehr in eine “soziale Bindung”, da die Gesellschaft leider nur noch auf Oberflächlichkeiten geprägt ist. Man soll dynamisch, anpassungsfähig, Leistungsbereit sein und das nicht nur im Beruf, sondern auch in der Freizeit…

So ist meine derzeitige Lebenssituation,
in der ich mich befinde und zurechtfinden muss.

Vielleicht hätten die Menschen mehr Verständnis, wenn sie einem die Erkrankung ansehen könnten. Doch noch weiß ich nicht, ob das wirklich so ist. Die Handgelenksorthesen fallen kaum auf und noch sitze ich in keinem Rollstuhl. Zudem wohne ich in einem kleinen Dorf und auch die beiden “großen” Stadtteile sind eher klein und bieten wenig, wo man hingehen kann und so evtl. neue Menschen, einen neuen Bekannten- oder Freundeskreis kennen zu lernen. Und wenn man zu dem körperlich nicht mithalten kann, da man u.a. immer früh gehen muss, keinen Alkohol trinken kann, immer eine Sitzgelegenheit braucht ist man sehr schnell außen vor.

Bis die Wunde des Abzesses zu ist, muss ich Montags, Mittwochs und Freitags zum Verbandswechsel. An den Tagen dazwischen bin ich dadurch noch mehr geschwächt als sonst. So wurde schon ein Friseurbesuch zu einer logistischen Herausforderung. Und tortzdem soll man bei all dem lächelnd, freundlich und voller Zufreidenheit, Freude durch’s Leben gehen… Doch dem ist nicht so, genauso wenig wie man sich noch um Nichtigkeiten kümmert, die für andere Wichtig sind. (Es ist doch egal, ob die Fenster heute, morgen oder erst nächste Woche geputzt werden.)

Nun ist es schon wieder fast Mitternacht und ich werde mich hinlegen — in der Hoffnung, dass das Gedankenkarussell durch das “Schreiben” aufhört oder mich zumindest schlafen lässt.

Gute Nacht!
(Und das das alles ein Alptraum ist…)

Daten: Verfasst von Muckel, am 7. November 2010, um 23:50 Uhr.
Abgelegt unter: Gedanken, Gesundheit
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