Durch die Fenster über mir ist kein Stern am nächtlichen Himmel zu sehen.
Klänge von harter Musik dringen durch die Wände,
unterbrochen von Türen die zufallen und lauten, aber unverständnlichen Stimmen.
So sieht mein Abend aus,
allein, im Bett, im düstren, erdrückendem Internatszimmer.
Der Körper würde gerne abschalten.
Die Kine und Beine schmerzen stärker als sonst,
doch nach der Belastung war dies zuerwarten.
Der Kopf ist voller ungeordneter Gedanken,
die keine Antworten, keine Erklärungen oder ähnliches finden.
Gerne wäre ich jetzt nicht alleine.
Vielleicht etwas reden, etwas ablenkung
oder einfach nur spüren, dass man nicht alleine ist.
Doch ich weiß nicht mal, wen ich in den »schweren Momenten« anrufen könnte.
Die, die mir sagte ich könnte jeder Zeit anrufen, kann ich wohl kaum mitten in der Nacht anrufen.
Wir kennen uns ja kaum und zu dem habe ich die Befürchtung, dass ich sie überlasten würde.
Ja, sie verneint dies, doch leider habe ich es bis jetzt immer anders erfahren.
Und wir kennen uns schließlich auch nur aus “besseren Zeiten”,
wo ich noch aktiv und voller Lebensfreude war.
Somit bin ich wieder alleine.
Diesesmal nicht ausgegrenzt von der Drofjugend oder den Klassenkammeraden,
dafür von der Gesundheit, dem Körper, der nicht nur die Sorgen verursacht,
sondern auch verhindert, dass ich “weg” gehen kann,
Ablenkung, Gespräche und Kontakte finde.
Früher hatte ich wenigstens noch die Natur,
den Wald, die Wiesen, die Schafe um mich herum,
doch so etwas ist in diesem dunklen, kalten, betonierten Umfeld nicht zu finden.
Hoffnung, Zuversicht, Mut, Kraft, Lebensfreude
woher soll man jene beziehen,
wenn selbst die Alternativen der Alternativen wegbrechen,
man nur noch durch die Krankheit existiert,
da es nichts mehr gibt, wo man sie nicht merkt?
Ja wenn selbst das normale Atmen, das sitzen, das liegen
nicht mehr ohne Probleme klappt?
Wie soll man sich noch »positive Momente« schaffen,
von denen die Schulungen und die “schlauen Leute” sprechen?
Das klappt ‘ne Zeitlang, so lange man noch Momente findet,
die einen ablenken oder die noch ohne Einschränkungen sind,
doch was, wenn es diese Momente nicht mehr gibt?
Über das “aufgeben” darf man nicht mal nachdenken.
Von allen Seiten gibt es nur noch durchhalte Parolen zuhören.
Doch wie man jene umsetzten kann, wird einem nicht gesagt.
“Woher soll der Mut für morgen kommen,
wenn ich ihn mir gar nicht denken kann;
gegen nichts vermag ich mich zu wehren,
denn seit Langem leb’ ich ganz im Leeren,
und ich streif’ nur an den Möbeln an.”
(Und an alle die eine andere Meinung haben:
nur weil man ab und an “schwache” Momente hat oder einfach kein Ziel, Sinn mehr sieht,
hat man noch lange keine Depression – denn auch solche Momente stehen einem zu,
so lange sie nicht dauerhaft anhalten und in sehr kurzen Abständen auftrehten.)