“Hoffnung ist eine zuversichtliche innerliche Ausrichtung
gepaart mit einer positiven Erwartungshaltung,
dass etwas Wünschenswertes in der Zukunft eintritt,
ohne dass wirkliche Gewissheit darüber besteht.”
Doch wie lange hofft man? Gibt es Punkte an denen die Hoffnung nicht mehr existiert oder fehlt sie nur im Bewusstsein und man handelt instinktiv immer noch nach ihr, da man denkt, dass sich etwas besseres ergibt oder eine Änderung eintritt? Ich weiß es nicht und ich weiß nicht mal, ob ich selbst noch eine positive verbesserung glaube.
Und trotzdem war ich heute wiedereinmal bei meinem Rheumatologen. Habe mir wieder eine Flüssigkeit in meinen Blutkreislauf geben lassen, von der ich nichtmal richtig verstehe, was sie eigentlich macht. Ja, es wurde mir erklärt, doch nachvollzieh bar ist es doch nicht für jemanden, der nicht gerade Medizin oder Chemie studiert hat. Es war die dritte Infusion dieses Medikamentes, welches nun schon seit Dezember in meinem Körper ist.
“Eigentlich hatte ich gehofft, dass es Ihnen besser geht.” waren die Worte meines Arztes, der nicht wirklich weiß, was er von der Situation halten soll. Seiner “vorzeige Patientin” ging es nach der ersten Infusion besser, die anderen spürten wenigstens Kleinigkeiten, doch ich merke bis lang nichts positives. Ganz im Gegenteil – meine negativen Erfahrungen mit den Auswirkungen dieser Erkrankung werden in den letzten Wochen massiv schlechter, was an den Einschränkungen liegt.
In vier Wochen habe ich wieder einen Termin um die nächste Infusion zu behalten. Doch bewusst dafür habe ich mich dieses mal nicht entschieden. Es ist eher der “maschienelle Ablauf”: kurzes Gespräch, Blutabnahme, Infusion, Pflaster, nächsten Termin, auf Wiedersehen. Doch soll es das wirklich sein? Sollte ein Medikament was so teuer ist nicht zumindes minimale verbesserungen zeigen? Das Hände weniger geschwollen ist, man mehr Kraft hat, die Schmerzen zurück gehen oder zumindest minimal die Leistungsfähigkeit steigt? Nichtmal ansatzweise ist davon etwas wahrzunehmen.
Von allen Seiten hört man nur Durchhalteparollen. Schwäche darf man in unserer Gesellschaft wohl nicht zeigen. Tiere werden erlöst, doch uns Menschen gönnt man nicht mal die nötige Ruhe um all das zu verdauen. Schlimm war es vor einigen Wochen noch für viele Menschen, als ein Fußballspieler einen endgültigen Schritt gegangen ist, doch für uns “Otto Normal Verbraucher” gibt es nicht mal vernüftige Gesprächsangebote. Meinen Glauben an die Kirche habe ich nicht mehr und Psychologen hatten bis lang kein Interesse daran, einfach nur mal zuzuhören. Für die, die noch geblieben sind, ist eine zu große Belastung oder sie sind nur über elektronische Wege zu erreichen, was leider kein Gespräch von Angesicht zu Angesicht ersetzt. Wo ist die tröstende Hand auf der Schulter die einem Mut zu spricht? Wo sind die Freunde, die einfach da sind und einem durch Ihre Anwesenheit Kraft spenden?
Der Bits und Bytes sind viele geschrieben, ob in diesem Blog, im Foren oder über Messenger, doch weiter bringt es mich nicht. Erzählt man seine Probleme heißt es häufig, man sehe alles zu düster oder man sollte positiv denken. Doch welchen Anlass hat man dazu? Was veranlasst einen zu glauben, dass es ein gutes Ende geben wird?
Seit dem Ende des “Weihnachtsurlaubes” funktioniere ich nur noch. Aufstehen, runter in die Ausbildung gehen, am Nachmittag wieder hoch, duschen und hinlegen bis es von vorne los geht. Unterbrochen ist dieser Rhytmus nur von den “Arbeitsfreien Tagen”, an denen ich noch mehr liege um für den nächsten “Start” wieder Kraft zusammeln. Ein Leben wie ein Roboter und wozu? Um am Ende vielleicht einige Monate eher vom Staat und nicht mehr von den Eltern zu leben…
Eine Antwort auf das »Warum« oder nach dem »Sinn« dahinter gibt es wohl nicht. Auch kann mir niemand sagen, weshalb man all das noch durchstehen soll. Die Aussicht für die Zukunft: leben vom Staat am Sozialen (Ab)-Rand unserer Gesellschaft und auf kurz oder lang ein Leben, welches von dem Ablauf des Pflegedienstes geprägt sein wird. Das ist keine Prognose für einen Kranken Rentner, sondern die für einen fast 24 Jährigen jungen Mann der eigentlich noch einiges vom Leben erleben wollte.
Wirr sind die Gedanken und sie sind in keiner Bahn gelenkt – wie auch, wenn man alleine mit ihnen ist?! Bin noch »ich« es oder ist das nur noch das Ergebnis der unzähligen Medikamenten, der permanennten Einschränkungen und Schmerzen? Die Familie und Verwandschaft sagt, dass man ich mich verändert hätte, doch ist das wirklich verwunderlich? Gerne würde ich eine Nacht und das »Grübeln« einschlafen und einen Tag ohne Schmerzen erleben um die “Akkus” wieder auf zu laden… Doch wie wahrscheinlich ist das schon?
Gute Nacht!